In Deutschland erkranken jedes Jahr fast 50.000 Frauen neu an Brustkrebs, etwa 18.000 sterben an den Folgen. Zahlreiche Faktoren können die Entstehung von Brustkrebs begünstigen. Grundsätzlich gilt: Je eher ein Tumor entdeckt wird, umso größer sind die Heilungschancen. Prominente Beispiele zeigen zudem, dass es für Brustkrebsvorsorge nie zu früh sein kann.
Wie jeder andere bösartige Tumor auch besteht ein Tumor der Brustdrüse aus entarteten Zellen, bei denen Zellteilung und Zellwachstum außer Kontrolle geraten sind. Er entsteht meist in den so genannten Drüsenläppchen und ist im Anfangsstadium klein wie ein Stecknadelkopf.
Warum ein bösartiger Tumor in der Brust entsteht, ist bisher nicht eindeutig geklärt. Allerdings sind mittlerweile verschiedene Risikofaktoren bekannt, die die Entwicklung von Brustkrebs begünstigen. Unter anderem spielen genetische Faktoren, Übergewicht, späte oder keine Schwangerschaften, eine frühe erste und eine späte letzte Regelblutung sowie Hormontherapien eine wichtige Rolle.

Zwar gilt auch das fortschreitende Lebensalter als Risikofaktor für Brustkrebs. Die aktuellen Beispiele von Sylvie van der Vaart, Anastacia, Kylie Minogue und Christina Applegate zeigen jedoch, dass auch junge Frauen jederzeit betroffen sein können. Und gerade bei diesen sei der Krebs besonders gefährlich, so Prof. Gerald Hoffmann, Chefarzt der Gynäkologie St. Josefs-Hospital Wiesbaden.
Jede krankenversicherte Frau hat ab dem 30. Lebensjahr Anspruch auf eine Untersuchung zur Früherkennung von Brustkrebs durch den Frauenarzt. Ein wichtiger Baustein ist zudem das monatliche, selbständige Abtasten der Brust und der Achselhöhlen nach der Menstruationsblutung. Bei entsprechender Häufung von Risikofaktoren sollte frühzeitig eine regelmäßige Kontrolluntersuchung erfolgen.

Häufig wird bei der Selbstuntersuchung oder bei einer Routineuntersuchung durch den Frauenarzt ein Knoten in der Brust bemerkt. Besteht der Verdacht auf Brustkrebs, erfolgt zunächst eine Mammografie, eventuell auch eine Ultraschalluntersuchung. Erhärtet sich der Verdacht, wird eine Gewebeprobe entnommen (Stanzbiopsie) oder der Knoten operativ entfernt und feingeweblich untersucht.
Die Mammografie ist eine spezielle Röntgenuntersuchung der Brust. Sie erlaubt mit hoher Treffsicherheit den Nachweis von Veränderungen im Brustgewebe, lange bevor sie als Knoten oder Verhärtung tastbar sind. Damit ermöglicht sie im Gegensatz zur Tastuntersuchung der Brust eine sehr sichere Frühdiagnose.
Eine Alternative zur Mammografie stellt beispielsweise das Modellprojekt "discovering hands" dar. Hier werden blinde Frauen im Ertasten von Tumoren geschult. Ihr Vorteil: Der Tastsinn ist bei Blinden wesentlich stärker ausgeprägt als bei Sehenden. Aus medizinischer Sicht können dadurch Tumorherde zielgenau erkannt werden.
Steht die Diagnose Brustkrebs, gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Behandlungsmöglichkeiten. Was Hoffnung macht: Bei etwa 75 Prozent aller Patientinnen kann heutzutage auf eine Amputation der befallenen Brust verzichtet werden. Diese Frauen werden Brust erhaltend operiert und anschließend bestrahlt. Wenn nötig, erfolgt vor der Bestrahlung noch eine Chemotherapie. Das Standardverfahren, eine Bestrahlung von außen, erfolgt in der Regel vier bis sechs Wochen nach der Operation.
Anfangs wird die gesamte Brust behandelt, in den letzten fünf bis acht Sitzungen dann die Region, in der sich der Tumor befunden hat. Die gesamte Behandlung erstreckt sich über fünf bis sechs Wochen, in denen die Patientinnen an fünf Tagen in der Woche für rund fünf Minuten pro Tag bestrahlt werden.
Seit 2002 gibt es die "TARgit-Studie", an der verschiedene Kliniken weltweit teilnehmen. Mit dieser Studie soll herausgefunden werden, ob in bestimmten Fällen auf eine herkömmliche Bestrahlung verzichtet werden kann und die Patientinnen von einer "minimal-aggressiven", einmaligen Bestrahlung während der Operation genauso profitieren können. Vorteile dieses Verfahrens sind geringere Nebenwirkungen und die Zeitersparnis durch das Wegfallen der rund sechswöchigen Bestrahlung nach der Operation.
Eine Brustamputation stellt für die meisten Patientinnen eine erhebliche psychische Belastung dar: Zum einen verlieren sie einen Teil ihrer Weiblichkeit. Zum anderen werden sie durch die fehlende Brust ständig an ihre Erkrankung erinnert. Viele von ihnen wünschen sich deshalb einen Wiederaufbau der Brust. Dafür gibt es verschiedene Operationstechniken. Der Hauptunterschied besteht darin, ob körperfremdes oder körpereigenes Gewebe bei dem Eingriff verwendet wird.
Ein Wiederaufbau der Brust ist mit Implantaten möglich. Dabei wird ein Silikonimplantat unterhalb des Brustmuskels eingesetzt. Diese Brustrekonstruktion ist relativ einfach und schnell, doch klagen viele Patientinnen über ein Fremdkörpergefühl in der Brust.
Bei einer Brustrekonstruktion aus körpereigenem Gewebe wird, je nach Verfahren, Haut- und Fettgewebe oder Haut-, Unterhaut- und Muskelgewebe aus anderen Körperregionen an die Brust verschoben oder dorthin verpflanzt. Für Frauen mit größerem Busen sind vor allem die "TRAM-Flap"-Methode (nach der medizinischen Bezeichnung des im Unterbauch liegenden Transversen Rectus Abdominalis Muskellappen) und das "Mamma-Splitting" (nach der lateinischen Bezeichnung "Mamma" für Brust und dem englischen "split" für teilen) geeignet.
Bei Frauen mit kleinerem Busen empfehlen Mediziner eher die "DIEP-Flap"-Methode (nach der englischen Bezeichnung "Deep inferior Epigastric Perforator" für das Unterhaut-Fettgewebe im Bauchraum) und die "Latissimus dorsi"-Methode (nach der medizinischen Bezeichnung für den langen Rückenmuskel).